Story: Moon Yu-jung (Lee Na-yeong) ist eine junge Professorin, die aus einem reichen Elternhaus stammt, aber
unglücklich ist. Nach Yu-jungs mittlerweile drittem Selbstmordversuch wird sie von ihrer Tante, einer Nonne, in ein
Gefängnis mitgenommen, wo sie die Nonne bei ihrer Arbeit beobachten und eine neue Einstellung zum Leben bekommen soll.
Niemand scheint zu verstehen, dass Yu-jung des Lebens müde ist, weil sie immer noch von einem traumatischen Erlebnis
verfolgt wird, das sie im Alter von 15 Jahren erfahren musste.
Im Gefängnis trifft Yu-jung den Mörder Jung Yun-su (Kang Dong-won), der kein Interesse an Religion hat, und der nichts mit
der Nonne zu tun haben will. Er zählt lieber die Tage bis zu seiner Hinrichtung, denn er sitzt im Todestrakt.
Yu-jung gewinnt aber langsam Interesse an diesem Mann und merkt, dass dieser von der gleichen Einsamkeit und
Enttäuschung vom Leben geplagt ist wie sie. Sie hat keine Freude im Leben und ist eine verletzte Seele, was Yun-su
verwundert, denn als Waise aufgewachsen dachte er, dass reiche Leute immer glücklich sind.
Langsam öffnen sich die beiden und bauen ein gemeinsames Verständnis füreinander auf, das sich in eine Form von Liebe
verwandelt. Allerdings haben die zwei nicht mehr viel Zeit miteinander...
Kritik: Regisseur Song Hae-sung beeindruckte vor ein paar Jahren mit seinem gefühlvollen und außergewöhnlichen
Drama "Failan". Auch sein Film "Rikidozan" wurde von den Kritikern gut aufgenommen. Sein neuestes Werk,
"Maundy Thursday", entfernt sich nicht allzu weit von dem, was wir von Song schon kennen. Wir bekommen eine ungewöhnliche
Liebesgeschichte präsentiert, die als Taschentuchdrama getarnt ist, darunter aber erstaunlich tiefgreifend sein kann.
Außerdem schafft es Song erneut, dass wir trotz all der Tränen immer noch etwas Schönes und Wunderbares aus dem Film
mitnehmen können. Etwas, das unser Herz erwärmt und uns Hoffnung gibt. Nicht viele Regisseure beherrschen dieses
Kunstwerk, doch Song gehört dazu, und er erreicht dies indem er viel Wert auf die Charaktere und diverse Feinheiten legt.
Glücklicherweise wird er von einer tollen Besetzung unterstützt, die gerade die emotionalen Szenen gut zum Tragen
kommen lassen. Für ein wirkliches Meisterwerk mag es leider nicht reichen, aber "Maundy Thursday" erweist sich dennoch
als ein sehr schöner und bewegender Film.
Songs Film basiert auf einem Roman von Kong Ji-young, und dreht sich um einen zum Tode Verurteilten, der langsam lernt
was es heißt Freude zu haben. Allerdings ist es oftmals Lee Na-youngs Schauspiel, das Yun-su in den Schatten stellt und
ihre Geschichte um Einsamkeit, Enttäuschung und ein Kindheitstrauma in den Vordergrund rückt. Ihre diversen
Selbstmordversuche und ihr Hass auf ihre Mutter lassen keinen Zweifel daran, dass irgendetwas in ihrer Vergangenheit
vorgefallen sein muss, das sie zu dem trostlosen Menschen hat werden lassen, der sie heute ist. Bis es jedoch zu
einer Auflösung kommt, vergeht eine Weile.
Eine der Stärken des Films ist es, dass niemals versucht wird einen der Charaktere als Identifikationsfigur darzustellen.
Yu-jung und ihre kalte, lebensverneinende Art bauen erstmal eine emotionale Wand auf. Zu Yun-su, einem verurteilten
Mörder und Vergewaltiger, können wir natürlich erst recht kein emotionales Band aufbauen. Dennoch faszinieren uns diese
Personen. Warum will Yun-su unbedingt sterben? Was denkt dieser Mann, und warum interessiert sich Yu-jung so für ihn,
obwohl sie ihm gegenüber gesteht, dass sie Angst vor ihm hat?
"Maundy Thursday" versteht es die Entwicklung der Charaktere und Geschehnisse auf dem Bildschirm langsam und glaubwürdig
anzugehen. Zuerst ist Yun-su nur beeindruckt davon, dass Yu-jung ihm gegenüber so offen und ehrlich ist, auch wenn das
bedeutet, dass sie nicht immer sehr höflich zu ihm ist. Aber das muss sie ja auch nicht, schließlich ist er ein zum
Tode Verurteilter. Langsam tauen die beiden jedoch auf und wir erfahren mehr über ihre Hintergrundgeschichte, so dass
wir für die beiden tatsächlich irgendwann unmerklich Sympathien entwickeln. Natürlich ist nichts so einfach wie es auf
den ersten Blick scheint, und für das Verhalten der Personen gibt es immer einen Grund, weshalb Regisseur Song wieder
einmal starken Gebrauch von
oft eingeschobenen Rückblenden macht, in denen er langsam das Bild der Charaktere weiter ausarbeitet. Die Autorin der
Geschichte hat außerdem gut daran getan Yun-sus Verbrechen nicht einfach komplett zu revidieren, indem wir von seiner
Unschuld erfahren, denn auch wenn wir die tatsächlichen Umstände des Verbrechens erst später erfahren, so bleibt
dennoch Blut an Yun-sus Händen kleben. Nichtsdestotrotz ändert das nichts daran, dass wir Verständnis für ihn und
seine Situation haben können.
Neben der sich langsam anbahnenden Liebesgeschichte, die sich dankenswerterweise nie wie eine wirkliche Liebesgeschichte
zwischen Mann und Frau anfühlt, sondern die auf Verständnis und geteiltem Leid beruht, gibt es aber auch eine noch
tiefergehendere Ebene. Schuld und Vergebung spielen nämlich eine ebenfalls große Rolle in dem Drama und werden mit Hilfe
der christlichen Religion in das Werk eingebettet. Und auch wenn Yun-su schließlich zur Religion findet, so schafft es
der Regisseur glücklicherweise, dass sein Film kein religiös, predigendes Element beinhaltet, sondern dass das Christentum
tatsächlich nur als ein zusätzliches Mittel benutzt wird um positive menschliche Eigenschaften zum Vorschein zu bringen,
die ohnehin in den Protagonisten verborgen waren.
Kang Dong-won ("Too Beautiful to lie") kann eine ordentliche Leistung als Häftling abgeben, bei dem wir anfangs wegen
seiner gewalttätigen Art nicht glauben können, dass wir jemals Verständnis für ihn haben können. Doch sein Wandel, bzw.
das Vordringen Yu-jungs in sein wahres Wesen, lassen uns mit ihm leiden. Wirklicher Star des Films ist jedoch Lee
Na-young, die nicht nur in "Please teach me English" eine nette Darstellung abliefern durfte, sondern die besonders
in "Someone Special" zeigen durfte, was sie als Darstellerin drauf hat. In "Maundy Thursday" lässt sie keinen
Zweifel mehr daran, dass sie eine Top-Darstellerin ist, was sie gerade in den emotionaleren Szenen unter Beweis stellen
darf.
Des Weiteren gibt es auch noch einige gute Leistungen von den Nebendarstellern, z.B. von Kang Shin-il als
liebenswerter Officer mit Herz, oder auch Oh Kwang-rok ("Oldboy") als Gefängnisinsasse, der zum Glauben gefunden hat und
Yun-su fast schon als Stütze dienen kann.
Auf technischer Ebene verzaubern einige schöne Bilder im Schnee und ein warmer Soundtrack, der immer passend die
Stimmung einfangen kann. Schlussendlich muss der Film natürlich auf den Moment hinauslaufen, an dem Yun-su hingerichtet
wird. Regisseur Song verpasst es nicht ein wenig die Notwendigkeit der Todesstrafe in Frage zu stellen, macht dies
aber auf angenehm zurückhaltende Art. Das Ende selbst muss aber natürlich alle Geschütze auffahren, die ein Drama
so zu bieten hat. Leider bedeutet das aber auch, dass Song immer haarscharf an dem vorbeischlittert, was durchaus
hätte kitschig wirken können. Im Endeffekt bleibt zwar alles im grünen Bereich, aber einen leicht bitteren Nachgeschmack
hinterlässt es manchmal schon. Zumal das Ende irgendwie auch vorhersehbar ist.
Ein bisschen mangelt es "Maundy Thursday" also an der Intensität der Magie, die "Failan" so besonders machte. Doch die
Magie ist trotzdem noch vorhanden, was uns gerade beim Abspann bewusst wird. Wir sind ungemein traurig, und
dennoch ist da dieser Funke an Hoffnung, diese Lebensbejahung und Liebe, die in uns ein wohlig warmes Gefühl auslösen
kann. Genau das macht "Maundy Thursday" schlussendlich zu einem sehr schönen Film.