Story: Kim Gu-nam (Ha Jeong-woo) lebt in der Yanbian Präfektur, einem autonomen Bezirk der Koreaner, welcher an der Grenze zu China, Nordkorea
und Russland liegt. Wie viele der dort Ansässigen muss sich auch Gu-nam mit halb illegalen Geschäften über Wasser halten. Er hat Schulden, da er nach
seiner Arbeit als Taxifahrer oft seinen Verdienst verspielt und weil er sich bei Kredithaien Geld geliehen hat, um ein gefälschtes Visa für seine
Frau zu beschaffen, die nun in Südkorea ist und sich seitdem nicht mehr gemeldet hat. Doch Gu-nams Probleme könnten bald alle der Vergangenheit angehören,
denn der Gangsterboss Myun (Kim Yoon-seok) will ihm seine Schulden bezahlen, wenn er für ihn illegal nach Südkorea geht, um dort einen Mann umzubringen.
Gu-nam hätte dann auch die Möglichkeit seine Frau zu suchen und so nimmt er den Auftrag an.
Nach einer beschwerlichen Reise sammelt Gu-nam alle Informationen, die er braucht, und plant den Mord. Gleichzeitig versucht er erfolglos, seine
Frau zu finden. Er hat nur zehn Tage Zeit, denn dann fährt sein Boot zurück nach China. Als er den Mord in die Tat umsetzen will, geht jedoch
einiges schief und fortan wird er nicht nur von der Polizei gejagt, sondern auch von dem lokalen Gangsterboss Kim Tae-won (Cho Seong-Ha). Auch Myun
scheint ihn verraten zu haben und so macht sich Gu-nam daran, die Hintergründe des Mordes aufzuklären.
Kritik: "The Chaser" war ein düsterer und frischer Thriller, der sowohl Zuschauer als auch Kritiker begeistern konnte. Regisseur Na Hong-jins
zweiter Film "The Yellow Sea" bleibt seinem Ton treu und konnte erneut die Massen für sich begeistern. Doch wo "The Chaser" bei genauerer Betrachtung
ein wenig überbewertet wurde, ist Nas neuestes Werk eindeutig einem unbegründeten Wohlwollen der Kritiker ausgesetzt, dass es fast schon nicht auszuhalten
ist. "The Yellow Sea" ist an seinen besten Stellen ein packender Thriller, an seinen schlechtesten jedoch ein konfuser Rachestreifen, der mit einem
problematischen Schnitt und einem kaum motivierten Gemetzel im dritten Viertel daherkommt. Es gibt einfach zu viele Schwächen, um den Film uneingeschränkt
empfehlen zu können und dennoch macht Regisseur Na immer noch genügend richtig, um weiterhin ganz oben mitspielen zu können. Es gibt eben kaum
wirklich gelungene Thriller aus Korea und Na Hong-jin beweist, dass er ein Händchen für das Genre hat. Schade, dass er sich dann in einer wirren Story
verstrickt und der Film mit einem selbstverliebt konfusen Schnitt zu kämpfen hat.
"The Yellow Sea" ist in einer koreanischen Version und einer Director's Cut Version erschienen. Mit 140 Minuten ist der Director's Cut aber diesmal
sogar um 16 Minuten kürzer als die koreanische Version. Das scheint aber auch sinnvoll, denn der Film ist nun etwas kompakter und es soll in der
ursprünglichen Version sogar noch schwieriger gewesen sein, der Geschichte zu folgen! Keine der beiden Versionen ändert aber etwas an einem der
herausstechendsten Probleme des Films: Die Charaktere mögen alle ihre Motivationen haben, besitzen aber keine richtige Persönlichkeit und so bleibt
es schwierig, emotional irgendeine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Daran können auch Ha Jeong-woo und Kim Yoon-seok als schillernder Gangsterboss nichts
ändern, die bereits in "The Chaser" die Hauptrollen innehatten und nun vertauschte Rollen übernehmen. Gu-nam bleibt oft zu grau und Myun ist so
merkwürdig, dass er einem Manga hätte entsprungen sein können. Nur Kim Yun-seok ist es zu verdanken, dass er nicht wirklich so rüberkommt, sondern
einen interessanten Antagonisten darstellt.
Allerdings ist es gar nicht so leicht, in "The Yellow Sea" von gut und böse zu reden. Es gibt viele Parteien, von denen jede ihr eigenes Ziel hat.
Das ist auch der Grund, warum viele Kritiker meinen, dass der Thriller eine der besten Storys hat, die man in dem Genre finden kann. Mit so einer
Aussage sollte man jedoch sehr vorsichtig sein. Es ist zwar richtig, dass extrem viel passiert und es viele unerwartete Wendungen gibt, doch dann sind
diese für das erfahrene Thriller-Publikum wiederum gar nicht so unglaublich intelligent gestrickt. Darüber hinaus kann das Ende zu erheblichen
Verwirrungen führen, die, wenn man nicht den ganzen Film über extrem auf Namen und Gesichter geachtet hat, den Spaß um einiges vermindern können.
Die Geschichte ist dabei in vier Kapitel eingeteilt. Das erste stellt Gu-nam vor und spielt in Yanbian. Hier wurde ein außergewöhnlicher Ort ausgesucht,
an dem mindestens zwei Kulturen ineinander fließen, und Gu-nams Reise nach Korea über China hat tatsächlich fast schon etwas Episches an sich.
Im zweiten Kapitel plant Gu-nam dann den Mord und auch wenn er keine Erfahrung auf dem Gebiet hat und mit keineswegs professionellen, sondern
primitiven Mitteln arbeiten muss, beweist er doch einiges an Intelligenz, sodass wir sogar mit ihm mitfiebern. Danach läuft aber alles schief. Das
bringt uns zu einigen erheblichen Unglaubwürdigkeiten. Immer wieder findet sich Gu-nam in Situationen wieder, in denen sich der Zuschauer denkt, dass
es für ihn nun kein Entkommen mehr gibt. Doch Gu-nam schafft es irgendwie doch immer wieder, selbst als eine ganze Heerschar von Polizisten und
Polizeiwagen hinter ihm her ist, obwohl er nur zu Fuß flüchtet! Aber das ist nicht das erste Mal, dass Na ein unglaublich lächerliches Bild von der
Polizei zeichnet, die so viel Inkompetenz an den Tag legt, dass es weh tut. Das kennen wir aber auch schon aus Nas Debutwerk. Was hat ihm die Polizei
nur getan? Aber auch den Gangstern entkommt Gu-nam irgendwie immer wieder! Problematisch wird es aber im dritten Kapitel. Schon vorher zeichnete sich
der Film durch extreme Gewaltdarstellung aus, aber hier gibt es Gemetzel mit Knüppeln, Messern und Äxten am laufenden Band zu sehen. Doch welchen
instrumentellen Nutzen haben diese Szenen? Keinen. Sie bringen lediglich Action und Adrenalin in den Film. Tatsächlich wäre es besser gewesen (und
glaubwürdiger, denn irgendwann kann man nur noch den Kopf darüber schütteln, dass die Protagonisten mit diversen Stichverletzungen munter weitermachen),
hätte man diese Gewaltorgien etwas zurückgeschraubt und dafür mehr Charakterausarbeitung Raum gegeben.
Regisseur Na Hong-jin fängt seine düsteren Bilder immer mit leicht verwackelter Kamera ein, um eine gewisse Dynamik zu erzeugen. Während das mit der
Zeit durchaus anstrengend werden kann, gelingt es ihm damit aber einige sehr schöne Verfolgungsjagden einzufangen. Die Anzahl an Autos, die in seinem
Film geschrottet werden, ist auch nicht zu unterschätzen. Diese Szenen stellen damit das Highlight des dritten Kapitels dar. Im vierten werden dann
alle Teile zusammengeführt. Das wird aber stellenweise auf solch unnötig verwirrende Art gemacht, dass man wie gesagt am Ende durchaus Gefahr läuft,
nicht alles zu verstehen, zumal der Regisseur auch einiges der Interpretation des Zuschauers überlässt. Daran ist auch auch ein völlig unnötig
konfuser Schnitt verantwortlich, der einen gegen Ende fast in den Wahnsinn treiben kann. Das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack,
vor allem auch da das Ende als irgendwie emotional mitnehmend intendiert war, aber der Mangel an gut gezeichneten Charakteren das Drama nicht
funktionieren lässt. "The Yellow Sea" verrennt sich irgendwo ab dem dritten Kapitel, verliert seinen Fokus und bietet stattdessen blutige Metzeleien,
die irgendwann überhaupt keinen Schockgehalt mehr besitzen. Damit wird das Zuschauen gerade deshalb so frustrierend, weil man weiß, was für ein guter
Film aus "The Yellow Sea" hätte werden können. Spaß macht er zwar trotzdem, aber unter den gegebenen Umstände scheint es nur angemessen, besonders
streng mit Regisseur Na zu sein. Vielleicht wird es bei seinem nächsten Film besser.