Story: Yuichi (Tsumabuki Satoshi) arbeitet auf dem Bau und kümmert sich im Dorf um seine älteren Nachbarn. Seine Zeit vertreibt er sich
mit Frauen, die er im Internet kennenlernt, so auch Yoshino (Matsushima Hikari). Yoshino ist aber in Wirklichkeit in den Studenten Masuo (Okada Masaki)
verliebt und verlangt von Yuichi sogar Geld für ihre Treffen. Eines Tages lässt sie ihn sitzen, als sie zufällig Masuo trifft. Yuichi folgt ihr
und Masuo, woraufhin man am nächsten Tag die Leiche des Mädchens findet. Die Polizei sucht nach dem Mörder, während sich plötzlich die junge
Verkäuferin Mitsuyo (Fukatsu Eri) bei Yuichi meldet. Die beiden treffen sich und trotz eines schlechten Starts scheint sich tatsächlich eine ernsthafte
Beziehung zwischen den beiden zu entwickeln. Allerdings sucht die Polizei mittlerweile nach dem jungen Mann als Tatverdächtigen und befragt sogar
seine Tante (Kiki Kirin) zu ihm. Der Vater des toten Mädchens (Akira Emoto) sucht unterdes selbst nach Antworten. Ist Yuichi wirklich der Mörder?
Kritik: "Villain" ist in Japan ein extrem erfolgreicher Film gewesen und hat etliche heimische Preise abgeräumt. Zu Recht und
andererseits auch wieder nicht. Das Drama um einen "bösen Menschen", so der Originaltitel des Films, ist erstaunlich komplex in seiner Beleuchtung
der japanischen Gesellschaft als auch minimalistisch, wenn es um die Liebesbeziehung und den Storyverlauf geht. Aber der Film ist auch ein wenig zu
sehr gehyped worden, denn mit seinem recht langsamen Tempo und seinen gut 140 Minuten Laufzeit erfordert er auch etwas Geduld. Es ist aber
nicht zu leugnen, dass "Villain" gerade deshalb so gut funktioniert, weil er unwahrscheinlich ehrlich und direkt ist. Hier wird nicht versucht,
auf billige Weise das Publikum zu Tränen zu rühren.
Wundern sollte das nicht, denn Regisseur Lee Sang-il hat bereits mit "Hula Girls" einen erfolgreichen Film abliefern können, begibt sich diesmal
aber auf etwas düsteres und dramatischeres Terrain. Die Geschichte basiert auf einem Roman von Yoshida Shuichi, der auch an dem Drehbuch mitgeschrieben
hat. Dabei dreht sich die Geschichte um Einsamkeit, Schuld, Gut und Böse sowie um die Auswirkungen, die ein Verbrechen auf die Angehörigen und
Beteiligten hat. Die Einsamkeit der jungen Generation wird anhand der beiden Protagonisten transportiert, die sich unwahrscheinlich kühl verhalten
und damit die Entfernung aufzeigen, die sich zwischen den Menschen der Großstadt aufgebaut hat, obwohl sie Tag für Tag dicht aneinander gedrängt durch
die Stadt hetzen.
Dementsprechend sind die Dialoge zwischen den Personen immer sehr emotional distanziert gehalten und es fällt dadurch auch schwer, die Charaktere
richtig einzuschätzen. Yuichi wollte über das Internet eigentlich eine feste Freundin kennenlernen, ist im Endeffekt jedoch ausgenutzt und verletzt
worden. Also versucht er es mit Mitsuyo auf die gleiche oberflächliche Art, mit der er behandelt wurde, hat sich damit aber genau die Falsche ausgesucht,
denn sie ist genauso wie er auf der Suche nach einer festen Beziehung. Schmerz und Enttäuschung sind vorprogrammiert, aber keiner der Charaktere
handelt wirklich fehlerfrei, weshalb es auch so schwer ist, den Mörder, nachdem seine Identität geklärt ist, schlichtweg zu verteufeln.
Hierbei handelt es sich um die größte Stärke von "Villain". Der Mörder weiß, dass er einen Fehler begangen hat, unglückliche Umstände und ein
nervtötend oberflächliches Mädchen, das eigentlich auch nur ihre charakterlichen Schwächen hat, haben ihn dazu gebracht, und so behandelt der
Regisseur einen Mann, bei dem es sich auch um eine tragische Figur handelt. Die Ambiguität die diese Person auszeichnet, lässt uns nicht einfach
Hass auf sie verspüren, sondern bringt uns in die unangenehme Situation, seinen Charakter differenzierter zu betrachten.
Hauptdarsteller Satoshi Tsumabuki ("Dororo") gibt eine ordentliche Darstellung ab, allerdings ist er oft auch etwas zu zurückhaltend und kühl, sodass
wir sein Innenleben nur angedeutet bekommen. Anders sieht es da bei Eri Fukatsu ("The Professor and his Beloved Equation") aus, die ihrem Charakter
Tiefe verleihen kann, obwohl sie leicht zur naiven Geliebten hätte werden können.
Einige Nebenhandlungen wie die um Yuichis Mutter, die ebenfalls indirekt von dem Mord betroffen ist, oder dem Vater des getöteten Mädchens, der
selbst daran denkt, Rache zu nehmen, runden das positive Gesamtbild ab, auch wenn hier mehr möglich gewesen wäre. Vor allem wenn man die Laufzeit
des Films bedenkt. Schlussendlich ist die Luft im letzten Drittel etwas raus, aber das Finale kann das schnell vergessen machen. Hier kommt noch
einmal die Tiefe des Dramas, das "Villain" auszeichnet, zum Vorschein und das ist es auch, was den Film so sehenswert macht. Die ehrlichen Gefühle,
die düstere Stimmung, die fast jeder Hoffnung entrückt ist, und eine Liebe, die diese Hoffnungslosigkeit vielleicht doch überwinden kann, lassen
dieses gelungene Drama aus der Masse herausstechen.