Story: Schon seit sechzig Jahren arbeitet Ah Tao (Deanie Ip) für die Familie des Filmproduzenten Roger (Andy Lau) als Hausmädchen. Die Familie ist nach Amerika
ausgewandert und nur Roger ist noch da, um den sie sich tagtäglich kümmert, wenn er für seine Arbeit nicht gerade auf dem Festland ist. Eines Tages erleidet Ah
Tao jedoch einen Schlaganfall und kann sich nur noch eingeschränkt bewegen. Nach einigen Monaten Physiotherapie soll sie sich wieder fast normal bewegen können,
doch Ah Tao weiß, dass nach dem ersten Schlaganfall meistens noch weitere folgen und so erklärt sie Roger, dass sie in den Ruhestand möchte. Obwohl der
Filmproduzent anfangs nicht zufrieden mit Ah Taos Entscheidung ist, in einem Altenheim unterzukommen, gibt er ihrem Wunsch nach. Er besucht sie dort, so
oft er kann und kümmert sich liebevoll um sie, soweit es ihm seine Arbeit ermöglicht. Ah Tao möchte niemandem Umstände bereiten, doch ihr Schlaganfall und ihr
fortschreitendes Alter schränken sie immer weiter ein, sodass sie bald auf mehr Hilfe angewiesen ist, als ihr lieb ist. Roger bemüht sich derweil weiterhin,
seinem früheren Hausmädchen so viel von dem zurückzugeben, was sie ihm gegeben hat.
Kritik: Die vielen Lorbeeren, gerade von ausländischen Kritikern, sind keineswegs ungerechtfertigt. "A Simple Life" ist ein außergewöhnliches
Drama, da es seine Geschichte auf ungewohnt distanzierte und ehrliche Weise erzählt, ohne dass der Zuschauer emotional durchgängig auf Abstand gehalten wird.
Der Weg, den Regisseurin Ann Hui mit ihrer Verfilmung einer Geschichte, die auf den Erfahrungen des Filmproduzenten Roger Lee basiert, beschreitet, ist
mutig, denn nur allzu leicht hätte die Geschichte dazu verleiten können, ein Taschentuch-Drama für die Massen auf die Leinwand zu bringen. Da dies nicht der
Fall ist, bleibt "A Simple Life", auch dank einer sehr starken Hauptdarstellerin, eindeutig im Gedächtnis, das breite Publikum wird sich wohl aber eher nicht
von dem Film angesprochen fühlen.
Die Stärke von Regisseurin Ann Hui ("Night and Fog") liegt ganz klar in ihrer Fähigkeit, einfache Geschichten zu erzählen und
ihnen dabei den Zauber des Besonderen zu verleihen. Letztendlich wirkt ihr Drama wie ein Arthouse-Film, der sich viel Zeit nimmt, die alltäglichen Handlungen
zu zeigen, interessanterweise aber die wichtigen Ereignisse entweder nur kurz abhandelt oder jenseits des Bildschirms ablaufen lässt. So ist es auch mit dem
stetigen Abbau von Ah Taos Gesundheit. Diese wird nicht großartig zelebriert, um starke Emotionen hervorzurufen, sondern vollzieht sich plötzlich, verdichtet,
wird schlichtweg übersprungen, uns vorenthalten. Es ist, als wollte man nicht Ah Taos Sterben, sondern ihr Leben beleuchten. Ein Leben, das sich allerdings
in den letzten Jahren mehr oder weniger um das bevorstehende Sterben dreht.
Trotz des sehr gemächlichen Tempos kommt jedoch nie Langeweile auf. Das liegt hauptsächlich an der sehr feinfühligen Regie und Darstellerin Deanie Ip,
die das ehemalige Hausmädchen mit vielen feinen Nuancen spielt. Sie will niemandem zur Last fallen, zieht sich deshalb zurück, scheint ein kühles Verhältnis
zu Roger zu haben und dennoch blitzt an ein paar wenigen Stellen ein warmes Mutter-Sohn-Verhältnis auf. Eine der größten Stärken des Films, aber paradoxerweise
auch eine seiner Schwächen, ist eben dieses Verhältnis, da es auf den ersten Blick sehr kühl scheint. Roger kümmert sich liebevoll um Ah Tao, aber manchmal hat
man doch das Gefühl, das eine dicke Wand zwischen den beiden ist. Manche Entscheidungen von Roger scheinen sogar richtig herzlos, doch tatsächlich sind sie
pragmatisch und realistisch. Was uns in einem anderen Drama gegen Roger aufgebracht hätte, bringt uns ihm hier sogar näher.
Diese augenscheinliche Kälte oder Realitätsnähe kann durchaus einige Zuschauer abschrecken. Wer allerdings bereit ist, weiter in die Tiefe des Films vorzudringen,
wird erkennen, dass sich darunter ein sehr spezielles, ehrliches und auch herzerwärmendes Verhältnis verbirgt. Andy Lau ("Shaolin")
meistert seine Rolle sehr ordentlich und eigentlich hätte "A Simple Life" von den beiden Hauptdarstellern getragen werden sollen, aber
Deanie Ip stiehlt ihm einfach zu häufig die Schau. Trotz des Mangels an emotional einbindenden Szenen, fühlen wir uns speziell am Ende äußerst bewegt
und müssen uns darüber wundern, wie das diesem emotional entrückten Film gelingen konnte. Ann Huis unorthodoxe Schwerpunktwahl erweist sich letzten Endes als
sehr lohnenswert.
Wie ehrlich das Drama ist, zeigt sich alleine im Titel. Uns werden keine großen Versprechungen gemacht, wir bekommen wirklich ein einfaches Leben präsentiert und dennoch bietet selbst das einfachste Leben genügend Stoff für einen großartigen Film, wenn man denn weiß, wie die Geschichte transportiert werden muss. Ann Hui weiß das und verbaut gleichzeitig viele kulturelle Besonderheiten, beleuchtet das Altern und Altenheime, verzichtet dabei auch nicht auf subtilen Humor, überrascht uns mit Cameo-Auftritten bekannter Hong Kong-Größen und hält alles mit ihrer wunderbar umgesetzten Geschichte um eine aus dem Leben gegriffene Beziehung, die ohne Pathos auskommt und daher umso näher gehen kann, zusammen. Kein Drama für jedermann, aber nichtsdestotrotz ein großartiger Film.