Story: Fujii (Yamada Takayuki) ist Reporter, der einem Brief des Yakuza Sudo (Pierre Taki) nachgehen soll. Sudo schreibt aus dem Gefängnis
und möchte sich, bevor er höchstwahrscheinlich hingerichtet wird, an seinem ehemaligen Boss Kimura (Lily Franky) rächen. Fujii trifft Sudo im Gefängnis und
der Gangster gesteht ihm drei weitere Morde, von denen die Polizei bisher nichts wusste. Das Problem ist, dass Sudo keine Einzelheiten der Verbrechen nennen
kann und so macht sich der Reporter daran, Beweise für die Taten zu suchen. Bald hat Fujii genug Hinweise, die die verschiedenen Verbrechen miteinander
verknüpfen, aber einen handfesten Beweis findet er nicht. Die Zeitung, für die Fujii arbeitet, will den Artikel daher nicht herausbringen, aber der Reporter
stellt auf eigene Faust weitere Nachforschungen an. Währenddessen vernachlässigt Fujii seine Familie und lässt seine Frau (Chizuru Ikewaki) mit seiner senilen
Mutter (Jitsuko Yoshimura) alleine. Trotz der Bitten seiner Ehefrau, dass sie sich nicht mehr um seine Mutter kümmern könne, ohne wahnsinnig zu werden, flüchtet
der Reporter vor seinen Problemen und verbeißt sich in Sudos Fall.
Kritik: Wo beginnt Gerechtigkeit und wo wird sie zu einem dunklen Trieb der Rache? Das könnte eine Werbezeile zu "The Devil's Path" sein.
Ein Krimi, der sehr stark auf Charakterebene arbeiten will, aber dabei zu wenig von den Protagonisten preisgibt, als dass man sich tatsächlich für sie
interessieren könnte. Immer wieder scheint hindurch, dass der Film ernste und tiefgreifende Themen beleuchten will, doch mit seiner ruhigen, explorativen
Art zeigt sich der Thriller leider zu oft selbstverliebt und langatmig. Die Geschichte selbst ist zu unspektakulär erzählt und es mangelt ihr an emotionalem
Zündstoff. Schlussendlich kann dieser Thriller nicht das erreichen, was er sich eigentlich zum Ziel gesetzt hat. Den Zuschauer zum Nachdenken über Recht
und Gerechtigkeit zu bringen.
Die Geschichte basiert auf einem Roman, der wiederum auf wahren Begebenheiten beruht. Das hört sich interessant an, nur leider beweist sich Regisseur
Kazuya Shiraishi beim Erzählen der Geschichte als recht unoriginell. Zunächst beginnt alles mit einem Aufhänger, der Lust auf mehr macht, aber schnell zeigt
sich, dass die Geschichte auf sehr konventionelle Art erzählt wird. Nachdem Fujii ein wenig recherchiert hat, bekommen wir Sudos Geschichte erzählt, um
am Ende wieder in die Gegenwart zurückzukehren. Der Reporter und seine Geschichte funktioniert damit als Rahmen. Offensichtlich soll bei Fujii auch
Augenmerk auf sein persönliches Leben und seinen stetigen Abstieg in die Tiefen des Bösen gelegt werden. Doch das misslingt völlig, da der Reporter
ungefähr genauso ausgearbeitet ist, wie der Aufsatz eines Zehnjährigen.
Bald macht sich somit Frustration breit. Takayuki Yamada ("MW") schaut die meiste Zeit grimmig und hat ansonsten die Charaktereigenschaften
eines Baumstumpfs. Er ist verbissen in den Fall und nimmt diesen immer ernster, aber davon abgesehen, weiß man nichts über das, was in ihm vor sich geht.
Man erfährt aber etwas über seine Familie und seine Frau, die sich um seine verwirrte Mutter kümmern muss und daran zugrunde geht. Dieses kleine Drama
ist das Einzige, was zumindest auf indirekte Weise Fujii etwas Menschlichkeit verleiht, auch wenn er selbst eigentlich grausam kühl zu seiner Frau ist. Demnach
ist es sehr schwer, in den Film zu finden und lediglich Fujiis Szenen, in denen er mit Sudo im Gefängnis spricht, können so etwas wie ein Individuum hinter
der hölzernen Maske vermuten lassen.
Obwohl "The Devil's Path" jegliche Form von Spannung durch vorhersehbare Entwicklungen zerstört - selbst das Ende kann nicht überraschen, trotz des Fakts,
dass hier ein kleines Aha-Erlebnis verbaut ist -, gibt es doch immerhin in Sudo eine Person, die vielschichtig scheint. Ganz klar ist er ein Bösewicht, aber
er hat auch seine menschlichen Seiten - anders als Fujii, so scheint es. Der psychologische Kampf gegen Fujii tritt aber ohne Reiz auf der Stelle, sind doch
seine Schachzüge, Fujii für seine Geschichte zu gewinnen, indem er ihm immer nur kleine Informationsbrocken gibt und ihn den Rest für sich erarbeiten lässt,
sehr vorhersehbar. Spannender ist da schon sein Leben und die Gangster, mit denen er zu tun hat. Es wird gemordet und vergewaltigt, manchmal wird es auch
recht blutig und stets wundert man sich daher darüber, dass die Bösewichte mehr Charisma haben als der Held.
Letztlich, das darf man nicht vergessen, soll dies aber auch ein Rachethriller sein. Der Film entpuppt sich zwar als seichte Kriminalgeschichte, doch manchmal glaubt man hier eine Mischung aus "Confessions" und "Outrage" vor sich zu haben, nur leider eben ohne deren Stil, Atmosphäre oder smartem Drehbuch. "The Devil's Path" versucht speziell gegen Ende intelligenter zu erscheinen, als er ist. Irgendwo mag man erkennen, dass der Kern des Films darstellen will, wie Rache in Gerechtigkeit geformt werden kann und umgekehrt, aber spannend wird die Geschichte dadurch nicht. Ein unspektakuläres Drehbuch und ein lebloser Protagonist sowie eine gnadenlos übertriebene Laufzeit von 128 Minuten machen diesen Krimi zu einem vergessenswerten Film, der glaubt in einer Liga zu spielen, in der er trotz der ansehnlichen Yakuza-Charaktere nicht spielt.