Story: Es ist das Jahr 1994 und Mi-soo (Kim Go-eun) arbeitet in der kleinen Bäckerei ihrer Freundin Eun-ja (Kim Gook-hee). Eines Tages kommt Hyeon-woo (Jung Hae-in) in die Bäckerei und möchte etwas mit Tofu kaufen. Da ihm dies sehr wichtig ist, vermutet Mi-soo dahinter den Brauch, nach der Haftentlassung Tofu zu essen, um sich von seinen Sünden zu reinigen. Er fragt schließlich, ob er dort arbeiten darf und Eun-ja willigt ein. Es stellt sich heraus, dass er tatsächlich im Jugendgefängnis war, doch für was, das möchte er nicht sagen. Als dann seine (ehemaligen) Freunde auftauchen, geht er mit ihnen etwas trinken. Mi-soo hat das Gefühl, dass er nicht wieder zurückkommen wird und ihre Vermutung bestätigt sich. Drei Jahre später treffen sie sich zufällig wieder. Mi-soo hat einen Job bei einer Zeitung und die beiden wollen ein wenig über früher sprechen. Allerdings muss Hyeon-woo am nächsten Tag für zwei Jahre zum Militär. Mi-soo richtet ihm ein E-Mail-Konto ein und will ihm jeden Tag schreiben. Als sie sich verabschiedet haben, fällt ihr jedoch ein, dass sie vergessen hat, das Passwort für das Konto aufzuschreiben. Also versucht sie ihm in einer Radiosendung, die er vor drei Jahren jeden Tag im Gefängnis gehört hat, einen Hinweis zu senden. Doch ohne Erfolg. Es vergehen noch einmal drei Jahre, bis sich Hyeon-woo mit einer E-Mail bei ihr meldet. Werden die zwei diesmal zusammenfinden?
Kritik: Es ist nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien Netflix asiatische Filme in seinen Programmkatalog aufnimmt, doch neugierig macht der Film speziell dank Darstellerin Kim Go-eun trotzdem. Der Titel des Streifens verspricht zunächst aber nicht sehr viel Originelles. Und so ist es dann im Endeffekt auch. "Tune in for Love" ist ein erschreckend unspektakulärer Liebesfilm, der auf einer Nostalgiewelle der 90er reitet. Diese wurde mit "Architecture 101" losgetreten und wurde auch Jahre später von Filmen wie "Unforgettable" weitergeführt. Beide Filme waren nicht unbedingt außerordentlich gut, aber hier bekommen wir einen Film, der sogar um einiges langatmiger und durchschnittlicher ist. Im Kern geht es um die Liebe, die niemals das richtige Timing zu erwischen scheint. Um das Radioprogramm, was man bei dem Titel erwarten würde, geht es eigenartigerweise so gut wie gar nicht.
Der Start ist recht gemächlich, aber für ein ordentliches Drama oder einen Romantikstreifen braucht man eben auch ein gutes Fundament. Allerdings ändert sich an dem Tempo auch im weiteren Verlauf nicht wirklich etwas. Die Beziehung wächst sehr langsam zusammen und immer wieder gibt es einige Zufälle, die sehr künstlich wirken. Das ist schon am Anfang der Fall, als der Wechsel eines Radiomoderators für Hyeon-woo das Zeichen ist, nach dem er so lange gesucht hat. Nun gut, irgendwie mag man das einem solchen Film ja verzeihen, schließlich baut er komplett auf Zufällen auf, wie sich auch darin zeigt, dass sich die beiden Verliebten über viele Jahre hinweg immer wieder ungeplant über den Weg laufen. Die Anziehungskraft bekommt diese Liebe natürlich dadurch, dass äußere Umstände bzw. das Timing nie das richtige sind, um diese Liebe aufblühen zu lassen. Damit kann man sicher einige Zuschauer abholen, die schon Ähnliches erlebt haben.
In der Tat scheint der Film nicht auf ein junges Publikum ausgerichtet zu sein, auch wenn die beiden Darsteller - egal, wie viele Jahre vergehen - ziemlich jung aussehen. Denn mit den Neunzigern werden wohl bestenfalls Zuschauer in ihren Dreißigern etwas anfangen können. Für diese gibt es dann auch einige Songs, die immer wieder eingespielt werden und ein Gefühl der Nostalgie wecken sollen. Es stellt sich aber die Frage, warum Netflix denkt, dass ein internationales Publikum etwas mit diesen Balladen anfangen kann. Vielmehr wird dadurch durchaus auch eine Form des Kulturschocks kreiert. Wie dem auch sei, es gibt selbstverständlich auch einige technische Besonderheiten, die zu Problemen bei der Kontaktaufnahme führen, welche heute so undenkbar sind. Bei genauerer Betrachtung kommt es aber immer wieder zu Hindernissen auf dem Weg, auch zu zwischenmenschlichen, die ziemlich künstlich wirken und schnell gelöst werden könnten. Aber irgendwie muss man eben auch eine gute Portion Drama in dem Film unterbringen.
Ein Beispiel dafür ist der Grund, für den Hyeon-woo ins Gefängnis gegangen ist. Dieser ist uns schnell klar, aber seiner Freundin nicht. Warum er dies ihr nicht sagen will, ist auch noch irgendwie nachvollziehbar. Dass sie es letztlich aber dennoch erfährt, dürfte außer Frage stehen. Wie Hyeon-woo damit umgeht, ist wiederum nicht zu verstehen und deutet in die Richtung eines ungeschickt geschriebenen Drehbuchs, das einen Konflikt kreieren will. Was passiert aber letztlich? Alles kommt, wie wir es kennen. Das schließt natürlich auch eine Szene ein, in der einer der beiden... nein, beide, wenn auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten, dem anderen hinterherrennen. Ich sehe nun wirklich nicht viele Romantikdramen und wenn, dann vorzugsweise jene, die unter die besseren fallen, aber auch für mich ist das ein Klischee, das einfach so oft bedient wurde, dass man die Liebesgeschichte als Ganzes nicht mehr ernstnehmen kann.
Jung Hae-in gibt als ruhiger Kerl mit einer dunklen (?) Vergangenheit eine gute Figur ab, es ist aber Kim Go-eun ("Coin Locker Girl"), die das Zentrum des Films darstellt und diesen auch auf ihren Schultern trägt. Die Chemie zwischen den beiden stimmt immerhin und das ständige Sich-Nähern und wieder Entfernen hat seinen Reiz. Aber letztlich wartet man stets, dass irgendetwas Besonderes passiert, das man noch nicht tausend mal in ähnlichen Filmen gesehen hat. Da fällt bestenfalls die handgezeichnete Einleitung in jedem neuen Zeitsprung ein, aber selbst das hat man schon gesehen. Somit fällt es schwer, den Film irgendjemandem außer 90er-Enthusiasten zu empfehlen. Technisch ist alles ordentlich, interessant ist vielleicht noch, dass der Film fast nie überstrahlend hell und gute Laune erzeugend ausfällt, aber tragisch oder zu Tränen rührend ist er auch nicht. Alles bleibt langatmig und unoriginell. Da kann man sich eher einen der weiter oben genannten Filme ansehen.