Story: Big F (Francis Ng) kommt nach 16 Jahren aus einem malaysischen Gefängnis und meldet sich sofort bei seinen Kumpeln Crazy B (Simon Yam),
Johnny T (Patrick Tam) und East L (Mark Cheng). Die vier sind Räuber und Big F hatte viel Zeit, sich den perfekten Plan auszudenken. Er will einen Emergency
Unit Van der Polizei mit originalen Einzelteilen nachbauen und verkleidet als Polizisten die Lieferung einer Leiche abfangen, in der eine große Summe Geld
nach Hong Kong geschmuggelt werden soll. Alles läuft nach Plan, doch Officer Tsui (Leo Koo) ist den vier bereits auf den Fersen. Wirklich problematisch wird
es aber erst, als bei dem eigentlichen Überfall ein weiterer Polizei-Van auftaucht und jene Polizisten mit Maschinengewehren um sich schießen. Anscheinend
war Big F nicht der Einzige mit einer vermeintlich großartigen Idee. Big F und seine Freunde können jedoch mit dem Geld entkommen. Es zeigt sich aber bald,
dass sie im Eifer des Gefechts Johnnie T bei den anderen Polizei-Betrügern gelassen haben und stattdessen einen von deren Leuten bei sich haben. Alles läuft
auf eine Geiselübergabe hinaus, doch Big F will das Geld nicht verlieren und dann ist da auch noch Officer Tsui...
Kritik: Gerade als man glaubte, dass Hong Kong Kino wäre tot und könnte als mittelmäßige Streifen bestenfalls Hollywood-artige Blockbuster
auf die Beine stellen, die unbedeutend bleiben und schnell vergessen sind, kommt völlig unerwartet "Two Thumbs Up" aus dem Nichts. Diese mit innovativen
Spielereien vollgestopfte Komödie punktet mit einem extrem dicht geschriebenen Drehbuch, das einen sofort für die fantastischen Charaktere vereinnahmt und
dabei Spannung als auch Lacher bereithält. Nicht zuletzt haben die Darsteller auch eine Menge Spaß an dem Film, das sieht man sofort. Sicherlich bleiben
auch ein paar Mängel nicht verborgen, wie der Umstand, dass manche Personen etwas zu kurz kommen und damit etwas blass wirken, aber das betrifft eigentlich nur
die Nebenfiguren. Dennoch zeigt dies, dass das Drehbuch tatsächlich sogar etwas entschlackt hätte werden können.
Regisseur Lau Ho-Leung hat bereits die Drehbücher zu etlichen Filmen geschrieben, wie beispielsweise "Painted Skin" oder
"Triple Tap", doch es ist das erste Mal, dass er selbst Regie führt. Und tatsächlich komplementiert seine Regie sein eigenes
Drehbuch hervorragend. Die Energie, die der Film versprüht, ist von der ersten Minute an ansteckend und die ausgefallenen Kameraeinstellungen und -fahrten
sind großartig in den Film integriert. Daneben werden immer mal wieder Farbfilter in bestimmten Bereichen des Bilds verwendet oder der Bildschirm wird
comicgleich in mehrere Bilder geteilt. Was in vielen Filmen etwas künstlich wirkt, ist hier ganz natürlich. Das mag daran liegen, dass man nach den ersten
Minuten bereits weiß, dass Lau visuell etwas mehr Einfallsreichtum auf den Bildschirm bringt, als man es sonst gewohnt ist und mit dieser frühzeitigen
Ansage ist es auch kein Problem, sich damit zu arrangieren.
Um genau zu sein, werden einige Zuschauer sich nicht nur mit der stark visuell geprägten Natur des Film "arrangieren" können, sondern sogar richtiggehend
begeistert sein. Ob es nun die Rückblenden sind oder ein paar der Voice-Overs, alles in dem Film ist etwas anders als in ähnlichen Werken. Auch die teilweise
Fokussierung auf Comicaspekte ist nicht willkürlich, sondern unterstreicht, dass die vier Räuber "Helden" sind, auch wenn ihnen
das zunächst nicht bewusst ist. Dementsprechend bekommen wir immer wieder kleinere Anspielungen auf die klassischen Superhelden zu sehen.
Die vier mögen zwar durch ihre Uniform eine Wandlung zu Kämpfern des Rechts unterlaufen sein, aber bei genauerer Betrachtung ist es egal, was sie anhaben,
die "Helden" haben bereits zuvor in ihnen gesteckt. Ein Aspekt, der im Film selbst vielleicht sogar einmal zu oft unterstrichen wird.
Wer allerdings glaubt, "Two Thumbs Up" wäre eine überdrehte und knallbunte Comedy, der irrt sich! Fast die ganze Zeit spielt der Film auf einer dunklen
Straße oder im Wageninnern, womit die Atmosphäre auch etwas von einem düsteren Hong Kong Thriller hat. Gleichzeitig geht es manchmal auch recht blutig und
kaltblütig zu, wenn die richtigen Gangster um sich schießen. Das hohe Tempo kommt also nicht nur von den zahlreichen Gags, sondern auch von einer
ernsten Bedrohung, auch wenn man sich nur schwer vorstellen kann, dass wirklich einer der Helden sterben wird. Die Dynamik entsteht dank eines grandios
geschriebenen Drehbuchs, das zwar voll von Zufällen ist, aber damit auch das Karma selbst einen Protagonisten des Films werden lässt. Außerdem glaubt man
dadurch, sich ein Bühnenspiel anzusehen.
Ohne Zweifel baut "Two Thumbs Up" aber auch auf der Chemie zwischen seinen großartigen Darstellern auf. Alleine die Frisuren (!) von Francis Ng ("On the Edge", "Exiled") und Simon Yam ("The Midnight After", "Nightfall") sind Grund genug, sich den Film anzusehen, aber daneben versprühen alle vier Darsteller ebenso einen enormen Charme, der das Fundament der Komödie darstellt. Dass es sich eigentlich um eine Low-Budget Produktion handelt, ist nie zu sehen, außer in ein paar CGI-Szenen während des Finales, aber darüber sieht man bei dem visuellen Einfallsreichtum gerne hinweg. Leider muss man aber auch hinzufügen, dass die Komödie etwas zu sehr mit Charakteren vollgestopft ist und daher nicht alle Personen vollständig zum Tragen kommen. Immerhin ist es aber eine wirklich große Leistung, was dem Regisseur bei einer Laufzeit von gerade einmal 102 Minuten gelingt, in einen Film zu packen. Wären da nicht der irgendwann zu auffällige Versuch, dem Film auch noch eine tiefere Bedeutung zu geben und gäbe es nicht zahllose Epiloge, nachdem der Abspann eigentlich schon läuft, würde "Two Thumbs Up" tatsächlich zwei Daumen nach oben verdienen, so gibt es aber nur einen (ja, diesen Scherz wird wahrscheinlich jeder Kritiker auf die eine oder andere Weise schon über den Film gemacht haben, aber man kann halt nicht anders...).